Training in der Schwangerschaft: Warum Bewegung so wichtig ist

veröffentlicht am 27.9.2026

Wir ziehen um! Ab Mitte/Ende Oktober findet ihr uns in der Orpheumgasse 5, Graz. Neue Räume, mehr Möglichkeiten – wir freuen uns auf euch!

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Ein Beitrag von

Carina Fuchs

Training in der Schwangerschaft: Warum Bewegung so wichtig ist

**Eine Schwangerschaft verändert vieles.**Der Körper arbeitet auf Hochtouren, die Belastbarkeit schwankt, und viele Frauen fragen sich: Darf ich überhaupt noch trainieren?

veröffentlicht am

27.9.2026

Die klare Antwort lautet: Ja — bei einer unkomplizierten Schwangerschaft ist Bewegung heute ausdrücklich empfohlen. Viele Frauen werden trotzdem im Verlauf der Schwangerschaft deutlich weniger aktiv. Häufige Gründe sind Müdigkeit, Übelkeit, körperliches Unwohlsein, Zeitmangel und die Sorge, dem Baby zu schaden, oft verstärkt durch widersprüchliche oder nicht evidenzbasierte Empfehlungen aus dem Umfeld.

Internationale Empfehlungen beschreiben regelmäßige, moderate Bewegung in Schwangerschaft und Wochenbett als gesundheitsfördernd. Häufig genannt werden mindestens 150 Minuten pro Woche, verteilt über mehrere Tage, mit einer Kombination aus Ausdauer, Kraft und Mobilität.

Vorteile von Training während der Schwangerschaft

Bewegung in der Schwangerschaft ist mit Vorteilen für Mutter und Kind verbunden. Genannt werden unter anderem bessere kardiovaskuläre Fitness, Gewichtskontrolle, psychosoziales Wohlbefinden und ein geringeres Risiko für Präeklampsie, Gestationshypertonie und Gestationsdiabetes. Auch nach der Geburt erscheint Bewegung relevant, weil sie die Erholung unterstützen und die Rückkehr in Alltag und Sport erleichtern kann.

  • Weniger Stoffwechselprobleme sind ein zentraler Nutzen, besonders mit Blick auf Gestationsdiabetes.
  • Weniger Blutdruckkomplikationen werden konsistent berichtet, darunter Gestationshypertonie und Präeklampsie.
  • Bessere Geburtsergebnisse werden ebenfalls beschrieben, darunter weniger Kaiserschnitte und weniger perineale Komplikationen in einzelnen Datensätzen.
  • Weiters kann Bewegung Rücken- und Beckenschmerzen lindern, die Funktion im Alltag verbessern und das allgemeine Wohlbefinden steigern. Zusätzlich senkt gezieltes Beckenbodentraining das Risiko für Harninkontinenz während der Schwangerschaft und nach der Geburt.
  • Auch die Psyche profitiert: Studien zeigen, dass Bewegung depressive Symptome in der Schwangerschaft verringert und die Lebensqualität verbessert. Gerade in einer Phase mit vielen körperlichen und emotionalen Veränderungen ist das ein oft unterschätzter Effekt.

**Krafttraining in der Schwangerschaft: sicher, sinnvoll und längst nicht mehr tabu ** Viele Schwangere sind vor allem beim Thema Krafttraining besonders unsicher. Darf ich noch Gewichte heben? Ist das nicht gefährlich für mein Baby? Die aktuelle Forschung gibt hier eine klare Antwort: Bei einer unkomplizierten Schwangerschaft ist angepasstes Krafttraining sicher und sinnvoll.

Internationale Leitlinien empfehlen während der Schwangerschaft neben Ausdauertraining ausdrücklich auch muskelkräftigende Übungen. Sofern keine medizinischen Kontraindikationen vorliegen, erhöht Krafttraining laut Studien weder das Risiko für Fehl- oder Frühgeburten noch für kindliche Komplikationen. Die aktuelle Datenlage zeigt, dass erfahrene Athletinnen während der Schwangerschaft auch mit höheren Intensitäten trainieren können. Neuere Studien zu schwerem Krafttraining liefern keine Hinweise auf eine Gefährdung von Mutter oder Kind, sofern die Frauen gesund, erfahren und gut überwacht sind. Dennoch gilt: Mit steigender Intensität werden individuelle Anpassung, saubere Technik, freie Atmung, ausreichende Pausen und fachliche Begleitung umso wichtiger.

Krafttraining kann Rückenschmerzen, Müdigkeit und übermäßige Gewichtszunahme lindern sowie das Risiko für Schwangerschaftsdiabetes senken. Neuere Meta-Analysen berichten zudem Vorteile im Hinblick auf Schwangerschaftshypertonie, Makrosomie und perinatale Stimmungsproblem. Empfohlen werden in der Praxis 2–3 Einheiten pro Woche, mit Übungen für große Muskelgruppen, Beckenboden und lumbopelvine Stabilität, angepasst an Trainingsstand, Schwangerschaftsverlauf und Tagesform. Häufig empfohlen werden moderate Intensitäten, bei denen man noch sprechen kann, aber die Belastung klar spürt.

Wichtig bleibt die Unterscheidung zwischen angepasstem Training und unnötiger Verunsicherung: Nicht das Krafttraining an sich ist das Problem, sondern ein Training, das nicht auf Schwangerschaft, Beschwerden oder Kontraindikationen abgestimmt ist.

Sport in der Schwangerschaft

Krafttraining ist längst kein Tabu mehr in der Schwangerschaft

Auch für Anfängerinnen

Auch Frauen ohne große Trainingserfahrung müssen nicht bis nach der Geburt warten. Die Literatur beschreibt den Einstieg über niedrigschwellige, symptomorientierte Bewegung und einen schrittweisen Belastungsaufbau als sinnvollen Weg.

Praktisch bedeutet das: Gehen, leichtes Krafttraining, Mobilität, Atemarbeit und Beckenbodenkontrolle können eine gute Basis sein. Mit besserer Verträglichkeit kann das Programm über Ausdauer, Widerstandstraining und sportnähere Inhalte weiterentwickelt werden.

**Wie intensiv darf das Training sein? ** Eine einfache Faustregel ist der Talk-Test: Während des Trainings solltest du noch sprechen, aber nicht mehr singen können. Ebenso kann die Methode der RPE-Skala (Rating of Perceived Exertion) verwendet werden. RPE bezeichnet das subjektive Belastungsempfinden, also wie anstrengend sich eine Belastung auf einer Skala von 0-10 anfühlt. Für moderate Belastung wird in der Schwangerschaft meist ein Bereich von RPE 4-6 beschrieben.

Wichtig ist: Es geht nicht um Höchstleistung. Es geht um regelmäßige, gut angepasste Bewegung. Wer vorher keinen Sport gemacht hat, kann auch in der Schwangerschaft beginnen — am besten langsam, mit niedriger Einstiegshürde und ohne Druck.

Wann ist kein Training empfohlen?

Nicht trainiert werden sollte bei bestimmten medizinischen Kontraindikationen, etwa bei Plazentaablösung, aktiven vorzeitigen Wehen, schwerer Präeklampsie, Zervixinsuffizienz oder unkontrolliertem Typ 1 Diabetes. Abgebrochen und ärztlich abgeklärt werden sollte Training bei Blutungen, starkem Schwindel, Brustschmerzen, Fruchtwasserabgang oder regelmäßigen schmerzhaften Kontraktionen.

Fazit: Training während der Schwangerschaft stellt keine Gefahr dar, sondern ist in den meisten Fällen ein gesundheitlich sinnvoller Bestandteil dieser besonderen Lebensphase. Es schützt, stabilisiert und bereitet den Körper auf Geburt und Wochenbett vor. Schon kleine, regelmäßige Einheiten machen einen Unterschied.

Quellen Christopher, S. M., Donnelly, G. M., Brockwell, E., Bø, K., Davenport, M. H., De Vivo, M., Dufour, S., Forner, L., Mills, H., Moore, I. S., Olson, A., & Deering, R. E. (2024). Clinical and exercise professional opinion of return-to-running readiness after childbirth: An international Delphi study and consensus statement. British Journal of Sports Medicine, 58(6), 299–312. https://doi.org/10.1136/bjsports-2023-107489

Deering, R. E., Donnelly, G. M., Brockwell, E., Bø, K., Davenport, M. H., De Vivo, M., Dufour, S., Forner, L., Mills, H., Moore, I. S., Olson, A., & Christopher, S. M. (2024). Clinical and exercise professional opinion on designing a postpartum return-to-running training programme: An international Delphi study and consensus statement. British Journal of Sports Medicine, 58(4), 183–195. https://doi.org/10.1136/bjsports-2023-107490

Donnelly, G. M., Brockwell, E., Rankin, A., & Moore, I. S. (2022). Beyond the musculoskeletal system: Considering whole-systems readiness for running postpartum. Journal of Women’s Health Physical Therapy, 46(1), 48–56. https://doi.org/10.1097/JWH.0000000000000218 Irani, C. R., Turner, E. H. G., Rumps, M. V., & Mulcahey, M. K. (2024). Recommendations for postpartum athletes returning to sport: The past, present, and future. The Physician and Sportsmedicine, 52(6), 533–540. https://doi.org/10.1080/00913847.2024.2385886

Prevett, C., Kimber, M. L., Forner, L., de Vivo, M., & Davenport, M. H. (2023). Impact of heavy resistance training on pregnancy and postpartum health outcomes. International Urogynecology Journal, 34, 1–12. https://doi.org/10.1007/s00192-022-05393-1

James, M. L., Moore, I. S., Donnelly, G. M., Brockwell, E., Perkins, J., & Coltman, C. E. (2022). Running during pregnancy and postpartum, Part A: Why do women stop running during pregnancy and not return to running in the postpartum period? Journal of Women’s Health Physical Therapy, 46(3), 111–123. https://doi.org/10.1097/JWH.0000000000000228

Schulz, J., Marmura, H., Hewitt, C. M., Parkinson, L. J., & Thornton, J. S. (2023). Navigating the ‘new normal’: What guidelines exist for postpartum return to physical activity and sport? A scoping review. British Journal of Sports Medicine, 57(24), 1573–1578. https://doi.org/10.1136/bjsports-2023-107166

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