Vertikalsprünge als Return to Sport Kriterium nach VKB-Rekonstruktion

veröffentlicht am 1.6.2023


Ein Beitrag von

Julian Walenta

Vertikalsprünge als Return to Sport Kriterium nach VKB-Rekonstruktion

Im folgenden Blog-Beitrag möchten wir euch den Einfluss von qualitativen bzw. quantitativen Messergebnissen von einbeinigen Vertikalsprüngen auf die Entscheidungsfindung bezüglich einer möglichen Rückkehr zum Sportalltag nach einer vorangegangen vorderen Kreuzbandruptur bzw. -rekonstruktion (VKB) des Kniegelenks näher bringen.

veröffentlicht am

1.6.2023

Eine der großen Herausforderungen innerhalb des Reha-Prozesses nach einer vorderen Kreuzbandruptur (VKB-Ruptur) stellt das richtige Timing für die Rückkehr zur gewohnten sportartspezifischen Belastung dar. In unserer Praxis führen wir dafür mit betroffenen Personen im Zuge ihrer Rehabilitation immer wieder verschiedene Tests durch bzw. stellen diverse Untersuchungen an, um den Rehaverlauf qualitativ sowie quantitativ zu messen. Entscheidende Faktoren sind Parameter der Beweglichkeit, der Kraft (vor allem des Oberschenkelmuskels), des Gleichgewichts, aber auch zum Bespiele jene der Sprungqualität (immer bezogen auf den Seitenvergleich mit dem nicht betroffenen Bein). Durch die Summe der Ergebnisse verschiedener Testverfahren können wir nicht nur einen gezielten Reha-Plan erstellen, sondern schlussendlich auch eine bessere Risikoeinschätzung für das leider nicht allzu geringe Risiko für eine neuerliche Verletzung des Kreuzbandkomplexes treffen.

Aus einer aktuellen Studie geht nun hervor, dass vor allem die Qualität bzw. Quantität der Sprunghöhe entscheidende Ergebnisse liefern kann.

Mehrere Athlet:innen trainieren mit einer Koordinationsleiter ihre Beinkoordination

Return to Sport nach Kreuzbandriss

In einer Studie von Kotsifaki et al aus dem Jahr 2022 konnte gezeigt werden, dass gerade die Testung der vertikalen Sprunghöhe im Seitenvergleich interessante Ergebnisse hinsichtlich dem Aufzeigen möglicher Defizite bringen kann. Interessanterweise besteht nämlich die Möglichkeit, dass Testpersonen sehr gute Ergebnisse in Bezug auf ihre Sprungweite erzielen können, jedoch bei der Sprunghöhe deutliche Unterschiede sowohl in der Quantität als auch in der Qualität erkennbar sind (Ziel der Testungen ist es im allgemeinen zu erkennen ob man mit dem verletzten Bein zumindest 90% der Ergebnisse des nicht betroffenen Beines erzielt!).

Gründe dafür sind laut den AutorInnen der Studie vor allem jene, dass bei der Sprungweite eine Kompensation über vermehrte Oberkörper- bzw. Hüftbewegung möglich ist. Dem gegenüber steht der einbeinige Sprung in die Höhe, bei dem die Hauptkraft vor allem im Bereich des Kniegelenks generiert wird bzw. mögliche Kompensationsstrategien viel leichter aufzudecken sind.

Ein weitere interessante Erkenntnis der Studie vor allem Einfluss auf das Krafttraining im Zusammenhang mit der Rehabilitation nach einer VKB-Ruptur nehmen und betrifft im speziellen einen Muskel: den Soleus Muskel im Bereich der Wade.

Soleus Muskel Triceps Surae Muskel im Unterschenkel dargestellt in einem Körpermodell

Der Soleus-Muskel (rechts in grün) bildet gemeinsam mit dem Gastrocnemius-Muskel (links in rot) unseren Wadenmuskel

Die AutorInnen der Studie konnten nämlich anhand von elektrisch gesteuerten Muskelkraftmessungen zeigen, dass bei Testpersonen mit geringerer vertikaler Sprungkraft vor allem der Soleus-Muskel weniger Kraft erzeugt (im Vergleich zum nicht betroffenen Bein). Dieser Muskel dient im Allgemeinen neben einer Stabilisierung des Sprunggelenks auch unterstützend der dynamischen Stabilität im Kniegelenk und ist demnach auch sehr wichtig für die Verletzungsprophylaxe.

Zusammenfassend ist es wichtig festzuhalten, dass für eine erfolgreiche Rehabilitation nach einer Kreuzbandrekonstruktion verschiedene Testprotokolle notwendig sind, gerade um eine zielgerichtiete Therapieplanung zu gewährleisten.

**Anmerkung**: In unseren Blog-Beiträgen möchten wir euch auf Basis von wissenschaftlichen Arbeiten oder Erfahrungswerten Einblicke in unseren Arbeitsalltag geben. Die Artikel entstehen nach bestem Wissen und Gewissen, jedoch ist keine Gewähr auf Vollständigkeit bzw. Richtigkeit gegeben!

Eine erfolgreiche Therpie nach Kreuzbandrekonstruktion braucht gewisse Testprotokolle

Wir von Smart Physio Graz sind bemüht, aktuelle Erkenntnisse zu sammeln um unsere Testverfahren stets auf den neuesten Stand zu bringen. Nur so können wir gemeinsam mit dir deine Rehabilitation genau planen und dich best möglich therapeutisch unterstützen.

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